Chronik der "Freiwilligen Feuerwehr Schöna"


 Unsere Chronik wurde mit großem Engagement und Einfühlsamkeit von unserem Ehrenmitglied Kameraden Hans Bräunling fast lückenlos erstellt und von seinem Sohn und Wehrleiter Kameraden Klaus Bräunling weitergeführt.

 

Ein kleiner Auszug aus ihr soll einen Einblick in die erfolgreiche, aber auch komplizierte Entwicklungsgeschichte unserer Wehr geben. Eine Entwicklung, die durch 2 Weltkriege geprägt war und somit viel Leid und Not für unser Land brachte. In diesem Zusammenhang beeinflussten vier Gesellschaftsordnungen das Denken und Tun unserer Menschen, was natürlich auch nicht spurlos an der laufenden Arbeit unserer Wehr vorüberging.

 

1820 wurde das erste mal die Gründung einer Schönaer Wehr genannt, allerdings nicht als freiwillige, sondern als Pflichtfeuerwehr. Das erforderte natürlich auch die Anschaffung von diversen Gerätschaften. Notwendige finanzielle Mittel standen nur sehr begrenzt zur Verfügung und so konnte auch nur eine Handdruckspritze älteren Typs angeschafft werden, welche vom Dresdener Spritzenbauer Carl Gottlieb Bartschneider für 200 Taler von der Gemeinde erworben wurde. Obwohl dieses Gerät in seiner Funktionstüchtigkeit vom Spritzenmeister Karl Friedrich Viehrig gut gewartet wurde, war sie schon sehr störanfällig und gab bei einem Brand, der am   20. März 1873 gegen 4:00 Uhr früh ausbrach, den Geist auf. Darauf beschloss der Gemeinderat eine neue Spritze für 600 Taler zu kaufen. Dieser Betrag konnte jedoch aus dem Gemeindesäckel nicht aufgebracht werden, deshalb wurde festgelegt eine Sammlung durchzuführen, welche 110 Taler und 7 Groschen erbrachte. Zum Jahresende 1873 wurde dann diese 2. Spritze, die man als "Feuerlöschmaschine" bezeichnete, für die Pflichtfeuerwehr gekauft. Ein Hansjörg Fritze wurde damals Spritzenmeister. Er arbeitete wie viele andere im Ort als Steinbrecher.

 

Das Geburtsjahr der freiwilligen Feuerwehr ist das Jahr 1876. Obwohl wie schon gehört eine Pflichtfeuerwehr bestand, führte ein an einem Sonntag ausgebrochener Brand, dem 5 Bauernhöfe zum Opfer fielen, zur Gründung der "Freiwilligen Feuerwehr Schöna". Am 16.Juni 1876 wurde durch den damaligen Oberlehrer Moritz Martin als von der Gemeinde Beauftragter die FF Schöna gegründet. Sicher, veranlasst durch die angeführte Brandkatastrophe, erklärten sich 70 Männer zum freiwilligen Dienst bereit, und für 80 Mann waren Uniformen angeschafft worden. Zur damaligen Zeit wurde die Wehr von einem Feldwebel, welcher gleichzeitig der Gründer Moritz Martin war, geführt. Dieser musste alle Bücher sowie Protokolle führen und den Bekleidungsstand verantworten. Weiter legte die u.a. verabschiedete Gemeindeordnung (Feuerlöschordnung mit über 30§) fest, in der Wehr 3 so genannte Abteilungen aufzustellen:

 

1. Die Rettungsschar bildete der Steigertrupp zur Rettung von Menschen und Tieren

2. Die Spritzenmannschaft zur Arbeit mit der Handdruckspritze

3. Die Feuerwachtmannschaft zum Schutz der geretteten Immobilien

So besagt der §28: "Die Mannschaften haben ihren Dienst stets in Uniform anzutreten und den militärischen Gruß anzuwenden" und der §30 gebot das Tabakrauchen nur nach ausdrücklicher Erlaubnis durch den Feldwebel.

 

Im Jahre 1877 wurde nach einem Gesuch bei der königlichen amtshauptmannschaftlichen Delegation in Schandau die Anschaffung einer neuen zweirädrigen "Abprotzspritze" genehmigt. Sie wurde daraufhin bei der Firma Lippold in Chemnitz bestellt und am 2. Juni 1877 mit 2 Saugschläuchen je 3m, 2 Hanfschläuchen 30m lang, 1 Strahlrohr und 6 Kupplungsschlüssel bis nach Krippen geliefert. Da wurde sie von den Kameraden übernommen und im Handzug nach Schöna gezogen. Der Preis betrug 860 Reichsmark. Es ist die Spritze die bis 1943 genutzt wurde und heute in unserem Museum ausgestellt ist. Die älteste Spritze wurde in den 30er Jahren in das Feuerlöschmuseum Dresden gegeben und ist leider beim Bombenangriff im Februar 1945 vernichtet worden.

Einen besonderen Abschnitt kann man dem Alarmierungssystemen widmen. Nachdem 1879 die Aufnahme unserer Wehr in den Landesverband der Feuerwehren erfolgte, wurde auf Empfehlung  durch die Gemeinden eigene Alarmierungsvorschriften erlassen. Mittels Glocken, Tuten, Hörner und Trompeten erfolgt seinerzeit die Signalisierung. In unserem Ort wurde am 22. Mai 1881 der Kamerad Eduard Füssel als exzellenter Trompeter zum Obersignalisten ernannt. Folgende Signale wurden in unserem Ort gültig:

 

- im Ernstfall... Feuerwehr kommt schnell herbei, es brennt - es brennt

- ein Übungssignal mit zwei Tönen

- ein Versammlungssignal... Bei Gottfrieds kommen, bei Gottfrieds kommen gleich, gleich

 

Diese Signale wurden bis in die 50er Jahre geblasen. Die letzten Hornisten waren die Kameraden Paul Kunze und Paul Füssel. In besonderen Situationen wurde bis zum Sirenenaufbau oder auch bei Stromausfällen mit der Tremolofanfare alarmiert.

 

Ein historischer Entwicklungsschritt unserer Wehr war der 23. Oktober 1887. Da wurde das neue Spritzenhaus eingeweiht.

 

1926 wurde das 50 jährige Bestehen auf der Festwiese des Gutsbesitzers Otto Löser geplant. Das Dorf wurde zu diesem Anlass festlich geschmückt. Da aber vor dem Fest anhaltender Regen die Festwiese unbrauchbar machte wurde der Scherbelplatz zum Festplatz hergerichtet. Am Sonnabend war ein gemütliches Beisammensein und am Sonntag 5:30 Uhr wurde ein Weckruf geblasen. Von 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr wurden die auswärtigen Wehren empfangen und 12:30 Uhr begann der Umzug durch das Dorf mit 12 Musikanten. Der Gemeinderat hielt eine große Festansprache.

 

Ab dem Jahre 1933 gab es für die Wehr eine Vielzahl von einschneidenden Maßnahmen die sich stark an die militärische Disziplin anglichen. Mit Kriegsbeginn 1938 wurden 12 Kameraden eingezogen. Ersatzweise wurden in den Kriegsjahren Frauen für den aktiven Dienst einbezogen.

 

Im Jahre 1943 erhielten wir eine erste Flader Motor - Tragkraftspritze mit 800l/min Förderleistung, diese verrichtete noch bis vor wenigen Jahren gute Dienste.

1976 beging unsere Wehr das 100 jährige Bestehen. Hierzu hatten sich die Kameraden besonders gut vorbereitet. Es konnte ein in Eigenleistung erbautes Gerätehaus eingeweiht werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir neben der Männerabteilung auch eine weibliche Brandschutzgruppe und eine Gruppe junger Brandschutzhelfer, woraus bis heute eine Reihe aktiver Kameraden hervorgingen.


1977 erhielten wir unseren LO (Robur), welcher einen genormten LF8 Aufbau hatte. Dieses Fahrzeug leistete und bis zum August 2002 gute Dienste, überstand aber das Elbehochwasser leider nicht. Nach sehr viel Initiative unseres Vorstandes, insbesondere Kamerad Udo Löser, bekamen wir dann im Frühjahr 2004 unseren neuen TSF-W/Z.

 

In den vergangenen Jahren wurde unsere Wehr über 270 mal zu Bränden alarmiert, war über 10 mal zu Katastropheneinsätzen durch Hochwasser im Einsatz und leistete unzählige Stunden freiwilliger Einsätze im Ort. Denn vieles was in den zurückliegenden Jahrzehnten in der Ortsentwicklung geschaffen wurde, geschah mit Hilfe der Kameraden und vielen fleißigen und engagierten Einwohnern.

 

Eine solche Einsatzgruppe wie die Feuerwehr benötigte um Aufgaben, Ziele und Einsätze zu koordinieren selbstverständlich eine wirksame und Qualifizierte Leitung. Das war seit Bestehen der Wehr einer der wichtigsten Punkte und erforderte mit der zunehmenden Modernisierung des Ausbildungstandes und der Technik besondere Anforderungen. In dem zurückliegenden Jahrhundert wurde die Wehr von 16 Kameraden geleitet.

 

Sie trugen die Titel:

- Feldwebel

 

- Vorsitzender

 

- Hauptmann

 

- Wehrleiter

 

Wir hoffen mit diesem Auszug einen kleinen Einblick in die Entwicklung unsere Wehr gegeben zu haben....

"Gott zur Ehr´ - dem nächsten zur Wehr"